Bibelabende 2011



Bibelabende vom 18.1. bis zum 21.1.2011
mit Pfarrer i.R. Herbert Großarth:
"Der besondere Herr macht uns zu besonderen Menschen und ruft uns in einen besonderen Dienst"


Bibelarbeiten zum Herunterladen als MP3-Dateien:

Zusammenfassung:

Mit umfangreicher Werbung im Vorfeld und persönlicher Einladung jedes einzelnen Gemeindemitglieds hatten wir unsere Bibelabende vorbereitet. Um es vorweg zu nehmen: wir hatten an den vier Abenden 29 bis 49 Besucherinnen und Besucher, darunter einzelne Externe, z.B. von der Kirchlichen Hochschule und aus der EFG Cronenberg, und am Freitag nahm die gesamte Jugendgruppe an unserem Bibelabend teil!

Dienstag, 18.1.2011: Der besondere Herr

Einleitend stellte sich Pfarrer Großarth kurz vor: Er war zweimal 15 Jahre lang in der Evangelischen Apostelkirche in Oberhausen tätig, dazwischen als Jugendpfarrer im Weigle-Haus in Essen. Vor allem sein Erleben auf den Willow-Creek-Konferenzen hat seinen Glauben auf den Kopf gestellt, seitdem ist er viel sensibler für das geworden, was der Heilige Geist uns sagen will. Bibeltage wie die bei uns durchgeführten sollen der eigenen Vergewisserung dienen, der Ermutigung und auch der eigenen Orientierung.

Jesus ist der einzigartige, besondere Herr wegen

Entscheidend ist für uns die Frage: Warum ist Jesus für mich etwas Besonderes? Geht uns das (noch) zu Herzen? Brennt unser Herz noch in der ersten Liebe? Dabei geht es nicht darum, was wir für Gott und die Gemeinde tun können. Wer alt ist und dazu keine Kraft mehr hat, kann sich aber hinter die stellen, die aktiv sind, für sie beten und sie sonstwie unterstützen.

Laut Apg. 4, 20 konnten es die Jünger nicht lassen, von Jesus zu reden. Sie hatten eine gute Nachricht für die Welt des Todes: Jesus lebt! Das gibt eine Perspektive der Hoffnung. Uns stellt sich die Frage nach unserer Beziehung zu Jesus: Ist unsere Freude auf der Strecke geblieben? Ist die erste Liebe durch die Macht der Gewöhnung zerstört? Bedeutet Mitarbeit eher Last als Lust? Haben wir nach Jahrzehnten eher das Gefühl, alles, was den Glauben betrifft, schon zu kennen?

Als Gegenmaßnahmen zu einem vollen Terminkalender brauchen wir Raum für das Gebet, Zeit für den Lobpreis, "erleuchtete Augen des Herzens". Wir leben von der guten Nachricht, dass Dinge, die passiert sind, zwar nicht weg sind, aber unser Schuldenkonto und unser Gewissen nicht weiter belasten. Auch mit unseren Defiziten hat sich Jesus an uns gebunden!

Mittwoch, 19.01.2011: Wir als besondere Menschen

Was müsste passieren, damit wir Klarheit über Gott bekommen? Er müsste auf der Bühne der Welt auftreten und sich zeigen - und genau das hat er in Jesus getan, Jesus ist das Spiegelbild Gottes!

In Jesus ist Gottes Gnade und Wahrheit zu uns gekommen. Gnade bedeutet: Jemand beugt sich zu mir herunter und hebt mich hoch auf gleiche Augenhöhe, richtet mich auf mit neuem Selbstwertgefühl, mit neuer Würde: "Du bist etwas Besonderes, weil du unter der Verheißung Gottes stehst; du darfst, wenn du willst, Gottes Kind sein." Ich bleibe Gottes Kind, auch wenn ich mal daneben trete. Wer Gottes Kind wird, bekommt dazu ein Geburtstagsgeschenk: Gottes Geist. Gott legt damit seine Erbanlagen in uns, die zur Entfaltung kommen sollen. Damit sind wir eine neue Schöpfung, Christus lebt in uns.

Dadurch werden wir unabhängig von den Werten der Gesellschaft, diese werden für uns "entschärft". Es geht nicht mehr darum, was wir leisten, was wir haben; Gottes Zuwendung ist nicht an Bedingungen geknüpft. Unsere Biografie, unsere Defizite sind irrelevant. Wir brauchen nur die Frucht zu bringen, die vorher für uns bereitet ist; Jesus ist bereits in Vorleistung gegangen.

Gnade ist ein unwandelbarer Wesenszug Gottes; sie ist da, um uns aufzurichten. Dabei haben wir Gnade nicht nur in der Zeit vor unserer Bekehrung gebraucht, sondern brauchen sie auch hinterher, weil wir immer wieder sündigen, da auch andere Kräfte an uns am Werk sind. Den Prozess, dass die zugesprochene Wahrheit immer mehr Wirklichkeit wird, nennt die Bibel Heiligung. Dieser Prozess geht langsam, und es gibt immer wieder Enttäuschungen und Rückschläge, daher brauchen wir Gottes Gnade unser Leben lang.

Donnerstag, 20.01.2011: Der besondere Dienst

Nicht Druck darf die Motivation für den Dienst für Christus sein, sondern Liebe und Faszination müssen die Grundlage bilden. In den Evangelien heißt es oft: "Und Jesus sah...". Jesus sieht nicht nur die Fassade, sondern hat den Durchblick, er sieht den Menschen mit seinem Potenzial; das gilt auch für Menschen, die noch nicht zu ihm gehören. Im Dienst für Jesus ist immer eine Vision, ein Hoffnungstraum nötig, der die Möglichkeiten der einzelnen und einer Gemeinde einbezieht.

Das Missionieren ist nicht ins Belieben einer Gemeinde gestellt, sondern es ist ihr Auftrag, der erfüllt werden soll, damit im Himmel Freude herrscht. Jesus fordert mit vielen Tätigkeitswörtern dazu auf, aktiv zu werden: "Gehet hin! Predigt!" Das heißt: "Wartet nicht, bis die Menschen zu euch kommen!" Dabei fängt Bewegung im Kopf und im Herzen an.

Ein Zitat von Ulrich Parzany: "Wer im Jesus fest verankert ist, kann sich weit aus dem Fenster hängen, um Leute zu erreichen, die draußen sind." Paulus macht das vor, er orientiert sich an seiner Zielgruppe, spricht mit den Athenern über ihren unbekannten Gott, kennt sich gut in der Gnosis aus, als er den Kolossern schreibt, etc. - unsere Angebote müssen nicht uns gefallen, sondern denen, die wir erreichen wollen.

Menschen, die nichts davon wissen, dürfen zu Gott gehören. Wir haben den Auftrag, ihnen den Zugang zu dieser Perspektive zu eröffnen, den Auftrag, Neugier und Sehnsucht bei ihnen zu wecken. Dafür sind Visionen nötig.

Nach dem Willow-Creek-Kongress wurde in der Apostelkirche in Oberhausen ein Jahr lang an einem Konzept gearbeitet; es wurden ein Gottesdienstausschuss, ein Ausschuss für ein Leitbild, ein Strukturausschuss für Fragen der Entscheidungsprozesse, Gremien etc. und ein Jugendausschuss eingesetzt. Ergebnisse waren eine Mitarbeiterordnung, die einmal im Jahr unterschrieben wird, und der Slogan: "Komm nach Hause", bei dem die APO als Vorstufe für das Zuhause bei Jesus verstanden wird. Das Vorgehen einer Gemeinde kann allerdings nicht eins zu eins von einer anderen kopiert werden.

Phasen, in denen man zweifelt und nicht mehr durchblickt, sind normal, wir können uns aber in unserer Schwachheit von Jesus aufhelfen lassen, der nichts von uns erwartet, was wir nicht können; und der Heilige Geist schweigt nicht.

Freitag, 21.01.2011: Glaubenshilfe und Lebenshilfe

Es ist sinnvoll, auch in Menschen Zeit zu investieren, bei denen man nie damit rechnet, sie zu gewinnen; so Jesus hat zehn Aussätzige geheilt, obwohl von neun hinterher keinerlei Reaktion erfolgt ist. Dinge des Glaubens sollten dann angesprochen werden, wenn es dran ist; tätige Hilfe ist besser, als Traktate zu verteilen, nur um das eigene Gewissen zu beruhigen.

Jesus verkündigt die gute Nachricht mit seinen Worten und vollbringt sie mit seinen Taten; missionarisches Bewusstsein und sozialdiakonisches Handeln gehören untrennbar zusammen und werden uns von Jesus vorgelebt. Menschen sollten von der Gemeinde Hilfe zum Glauben bekommen, Hilfe im Glauben (durch Mitarbeiterschulungen und Seelsorge u. a.) und Lebenshilfe, die bis zur Hilfe zum Überleben gehen kann.

Christ-Sein gibt es nicht im Alleingang, sondern jeder Christ ist dem Leib Christi einverleibt; er erhört zur "ecclesia", zur Schar derer, die Jesus zum Dienst herausgerufen hat. In der ersten Gemeinde in Jerusalem, einer lebendigen und wirkmächtigen Gemeinde, standen nicht Events im Mittelpunkt, sondern Bibelarbeiten, die Mahlfeier und gegenseitige Hilfe bis hin zur Gütergemeinschaft.

Kennzeichen lebendiger Gemeinden sind: wirklich glauben, was sie sagen; leben, was sie sagen; halten, was sie versprechen; Veränderung im Leben, einander helfen, einander vergeben, nicht nachtragend sein, ehrlich sein, echtes Interesse am Menschen zeigen. Durch eine lebendige und wirkmächtige Gemeinde wird Gott sichtbar. Es geht nicht um eine Wohlfühlgemeinde hinter verschlossenen Türen, sondern um Aufbruch.

Werden in Köbners Kirche Menschen nach Hause geliebt? Hat Gott für unsere Gemeinde eine Vision? Gott träumt von einer lebendigen und wirkmächtigen Gemeinde, die für ihn transparent ist. Welche Bedürfnisse werden uns von Gott vor die Füße geworfen? Beispiele für diakonisches Engagement in der APO sind die Kleiderkammer und Weihnachtsfeiern im Asylantenheim.

Wachstum einer Gemeinde erfolgt zahlenmäßig nach außen und nach innen: Menschen verändern sich, halten in Liebe zusammen, stehen zur Wahrheit, begegnen einander mit Wertschätzung. Auch wenn die erfahrene Wirklichkeit noch nicht so ist, so ist doch Veränderung möglich. Nötig ist der Mut, dem Heiligen Geist Raum zu geben und ihn um Veränderung zu bitten.

Gott bedient sich der Aktivitäten einer Gemeinde, um Menschen zu sich zu führen, daher spielt sie eine wichtige Rolle in Gottes Strategieplan, und jede/r einzelne darf mitmachen trotz der eigenen Defizite.

Offene Frage am Schluss:

Große Fenster haben wir -

wie bekommen wir sie auf,
um uns herauszuhängen
und andere Menschen zu erreichen?

  Karin Weishaupt