Diesen und andere bewegende Aussprüche hatte Kurt Uellendahl im Rahmen eines Projekts unter Inhaftierten zusammengetragen. Der Gefängnisseelsorger und Vorsitzende des Katholischen Gefängnisvereins für das Bergische Land stellte uns am 10.9.2011 im Café KÖbner vor, unter welchen Bedingungen Menschen ihre Untersuchungshaft oder Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Vohwinkel verbringen und mit welchen Schwierigkeiten sie bei der Rückkehr in die Freiheit konfrontiert sind.
Eine Unterbringung in einer acht Quadratmeter großen Zelle mit doppelt vergittertem Fenster, eine Stunde am Tag Ausgang auf den Hof, eine weitere Stunde zu dritt in einer Zelle, zwei Stunden Besuchszeit pro Monat zu Zeiten, die zum Teil für Berufstätige kaum einzuhalten sind, zweimal pro Woche Gelegenheit zum Duschen, lediglich ein Radio als Informationsmittel, kein Telefon, Briefe nach außen nur dann, wenn ein/e Besucher/in Briefmarken mitbringt, Sport- und Freizeitangebote nur nach monatelangen Wartezeiten, Arbeitsmöglichkeiten für höchstens die Hälfte der Inhaftierten, sechsmonatige Wartezeiten auf eine Drogenberatung, Gespräche mit Psychologen oder Sozialarbeitern nur auf schriftlichen Antrag mit langen Wartezeiten - wer nicht schreiben und lesen kann, hat nie die Chance auf ein Gespräch! Wie soll ein Mensch, der täglich 22 Stunden allein auf engstem Raum ohne jede Beschäftigung und Kommunikationsmöglichkeit verbringt, es unter diesen Bedingungen lernen, ein sozial verantwortliches Leben zu führen? Dabei ist das neben dem Schutz der Allgemeinheit der Zweck von Haftstrafen - bei entsprechender Beratung und gegebenenfalls Therapie sollte er sich erreichen lassen, nicht aber bei einer Personaldecke, die lediglich ein Minimum an Betreuung ermöglicht.
Neben einigen Fakten über die Justizvollzugsanstalt in Vohwinkel stellte uns Kurt Uellendahl Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements sowie die Arbeit des Gefängnisvereins vor, der sich als Fürsprecher für die Inhaftierten versteht und versucht, die Rückkehr ins normale Leben zu erleichtern. Eindrucksvolle Fallbeispiele machten deutlich, wie groß die Gefahr eines Rückfalls ist, wenn jemand aus der Haft entlassen wird, keine Wohnung und keine Arbeit mehr hat und vielleicht auch seine sozialen Kontakte verloren hat - möglicherweise müsste er erst wieder neue knüpfen, da ein von Drogen geprägtes Umfeld eine starke Gefährdung darstellt.
Es besteht die Möglichkeit, in einer Gruppe die JVA zu besuchen oder ehrenamtlich mitzuarbeiten, um für Menschen, die einmal straffällig geworden sind, Brücken zu bauen, damit sie wieder in die Gesellschaft aufgenommen werden und eine reelle Chance bekommen, wieder nach den Sternen zu greifen.
Dank an Kurt Uellendahl für seinen bewegenden Vortrag, auf den das an diesem Abend recht große Publikum mit vielen interessierten Rückfragen reagierte!
Karin Weishaupt
P.S.: Kontaktdaten für die Vereinbarung von Besuchsterminen: Telefon 0202/9732-362, Fax 02191/74708, E-Mail Kurt.Uellendahl@JVA-Wuppertal-Vohwinkel.NRW.de