Wenn wir in unserer Kirche vom Geist sprechen, meinen wir normaler Weise etwas anderes als das, was uns Achim Brock am 15.1.2011 im Café KÖbner vorführte: Er erzählte nicht das "Gespenst von Canterville", sondern er war das Gespenst, als er sich schreiend, ächzend und stöhnend durch den Türspalt in den Raum hinein zwängte.
Die Erzählung von Oscar Wilde ist eine Parodie auf die üblichen Gespenstergeschichten seiner Zeit, in der Sir Simon de Canterville, der vor vielen Generationen wegen Mord an seiner Frau zum Tode verurteilt worden war, seitdem als Gespenst alle Bewohner des Schlosses mit seinem Spuk erschreckte, aber von den neuen amerikanischen Besitzern nicht ernst genommen wurde. Im Gegenteil, sie beleidigten das Gespenst mit völlig unangemessenen Angeboten, stellten im Fallen und machten sich über seine Misserfolge lustig! Dabei hat die Geschichte sehr wohl einen religiösen Aspekt: Der Geist wurde schließlich dadurch erlöst, dass er seine Sünden bereute und ein junges Mädchen für ihn im Gebet eintrat.
Die Geschichte an sich machte aber nicht so sehr den Reiz des Abends aus, sondern vielmehr die Art, wie Achim Brock sie vortrug. Er hatte eine gruselige Atmosphäre mit roten Tüchern, Kerzen und unheimlichen Geräuschen geschaffen und erzählte die Geschichte nicht, sondern er spielte sie mit Leib und Seele, war mit vollem Stimm- und Körpereinsatz dabei. Bewundernswert war, wie er das Publikum einbezog und auch auf leise geäußerte Kommentare einging, ohne bei seiner 80-minütigen Erzählung aus dem Konzept zu kommen.
![]() |
![]() |
Der Schauspieler Achim Brock "macht Theater" oder vielmehr Erzähltheater, eine Form der Präsentation von Geschichten, die stark von Gestik und Mimik lebt und bei der der Erzähler ansatzweise in einzelne Rollen hineinschlüpft und diese darstellt. Das Publikum bekam richtig Mitleid mit dem armen Gespenst von Canterville, dem so übel mitgespielt wurde und das so gerne nach 300 Jahren ohne Schlaf endlich zur Ruhe kommen wollte! Sein Tod war eine wahre Erlösung, und dann war der Spuk zu Ende.
Wer Achim Brock verpasst hat oder ihn noch einmal erleben möchte, kann das am einfachsten im Theatermuseum Düsseldorf tun, wo er einmal im Monat Erzählungen der Weltliteratur und Märchen der Welt präsentiert - es lohnt sich, "geistreich" sind seine Darbietungen immer, auch wenn es nicht um Gespenster geht!
Karin Weishaupt