Unsere Festschrift - Leseprobe



Wuppertal - ein besonderes Tal!

Regenschirm und Bibel

Jeder Besucher bekommt es spätestens beim ersten Regenschauer zu hören: "Wuppertaler Kinder kommen schon mit Regenschirm und Bibel auf die Welt." Den Schirm haben sie auch wirklich nötig, gehört doch das Tal der Wupper zu den von grauen Wolken bevorzugt heimgesuchten Regionen Deutschlands. Die Gründe liegen in den Höhenzügen, die 230 Meter beiderseits der Wupper aufragen und ankommende Regenwolken zum Verweilen einladen.

Und wie kommt die Bibel ins Wuppertal? Ab 1552 mit der Reformation, die uns hier im Tal besonders in reformierter Ausprägung begegnet. Der Standort der Alten Reformierten Kirche an der Calvinstraße in Elberfeld weist auf den Genfer Reformator Johannes Calvin hin, dessen Bibeltreue und strenge Beachtung christlicher Lebensregeln das kirchliche und öffentliche Leben im Tal nachhaltig geprägt haben; die Gemarker Kirche in Barmen an der Zwinglistraße bezieht sich auf den Zürcher Reformator und Bibelübersetzer Ulrich Zwingli. Nicht von ungefähr wird die "Barmer Theologische Erklärung" (31. Mai 1934) in den Räumen der Gemarker Kirche verabschiedet und trägt die Handschrift des reformierten Theologen Karl Barth.

Echte Wuppertaler sind also nicht nur "regenfest", sondern oft auch "bibelfest". Ein leuchtendes Beispiel dafür ist Bundespräsident Johannes Rau, vom reformierten Bekenntnis geprägter Sohn eines freien Evangelisten aus Wuppertal.

Schwebebahn und Freikirchen

Beim ersten Mal ist es nicht das reinste Vergnügen, acht Meter über der Wupper zu schweben und das leichte Schunkeln in der Magengegend zu spüren; doch später gewöhnt man sich schnell daran. Die Platz sparende und sichere Schwebebahn "rattert" nun schon seit 1901 die 13,3 km durchs Tal. Seit 1998 wird das Gerüst komplett erneuert - ein über 300 Mio. Euro teures Geburtstagsgeschenk zum 100. Geburtstag des weltweit einzigartigen Verkehrsmittels und Wahrzeichens der Stadt.

Ein weiteres Wahrzeichen Wuppertals, allerdings nur aus christlich-protestantischer Sicht, sind die Freikirchen. Nicht weniger als elf verschiedene Freikirchen sind hier an 28 Gottesdienststätten vertreten: sechs Evangelisch-Freikirchliche und fünf Freie evangelische Gemeinden, fünf Christliche Versammlungen (Brüdergemeinden), drei pfingstkirchliche und zwei methodistische Gemeinden, eine reformierte und zwei lutherische Freikirchen, die Heilsarmee, Adventisten, die Apostolische Gemeinschaft und die Ekklesia. Daneben gibt es eine große Zahl konfessionell unabhängiger christlicher Gruppen wie die Maranatha-Mission oder die Spätregen-Mission.

Holger Kelbert, ehemaliger Pastor von Köbners Kirche und Autor der Festschrift